Die Frage hinter einer Entscheidung

Was an einer Entscheidung hinterher wehtut, ist selten das Ergebnis. Es ist das Gefühl, häufig den Weg nicht bewusst zu kennen, wie man zu dieser Entscheidung gekommen ist.

Wenn mir eine Entscheidung hinterher nachhängt, liegt das fast nie am Ergebnis. Es liegt daran, wie ich zu ihr gekommen bin. Man ärgert sich über die Frage, die man sich gestellt hat. Über den Punkt, den man übersehen hat. Über die eine Zahl, an der man sich festgebissen hat, während daneben das eigentliche Thema lag und wartete.

Das ist der Teil, den man rückblickend anders machen würde. Nicht die Wahl selbst.

Und das passiert öfter, als man denkt.

Du starrst auf das falsche Problem

Ein Beispiel, das jeder kennt: Jemand kündigt, und sofort geht die Diskussion los, ob und wie schnell nachbesetzt wird. Intern oder extern, Vollzeit oder Teilzeit, welches Budget. Wochenlang.

 

Die interessantere Frage wäre gewesen, warum die Person gegangen ist. Und ob vor ihr schon zwei andere aus demselben Grund gegangen sind.

So sieht das meistens aus. Man schaut auf das Thema, das gerade brennt, und übersieht dabei, woher das Feuer kommt. Die eigentliche Frage liegt weiter hinten. Warum steht das überhaupt jetzt an? Was hat sich verändert, dass es auf einmal eilt? Welche Annahme, welche Weichenstellung von vor zwei Jahren, welche Sache, die man hat schleifen lassen, hat einen hierhergebracht?

 

Wer da nicht nachfragt, entscheidet auf zu schmaler Basis. Man kuriert ein Symptom und ein halbes Jahr später steht dasselbe Problem wieder da, nur in anderer Verpackung.

Bau dir selbst eine Szene, die zurückschaut

Bevor du dich festlegst, lohnt sich ein simpler Schritt. Trete einmal etwas zurück. Nicht zur großen Richtung, nicht zur Strategie. Nein, zum konkreten Anlass.

 

Was hat sich verändert? Was hast du zu lange hingenommen? Was wurde stillschweigend akzeptiert von dir, bis es nicht mehr ging?

Sobald dieses Bild schärfer wird, verschieben sich in der Regel deine Optionen. Zwei fallen weg, weil sie das Problem gar nicht berühren. Eine andere, die vorher zweitrangig aussah, wird plötzlich zur naheliegenden.

 

Du kannst ruhiger entscheiden. Nicht, weil die Unsicherheit verschwunden wäre – die bleibt –, sondern weil man wenigstens weiß, worauf man sich eigentlich bezieht.

Unsicherheit gehört dazu

Unsicherheit lässt sich nicht wegorganisieren. Wer damit nicht umgehen kann, sucht nach Wegen, die eigentliche Entscheidung von sich wegzuschieben. Das führt selten zu einer guten Lösung.


Die Klärung kann man abgeben. Die Entscheidung selbst nicht.

Was am Ende auf´s Konto einzahlt

Eine Entscheidung, zu der man später noch stehen kann, entsteht nicht dadurch, dass man das beste Ergebnis erwischt hat. Das beste Ergebnis kennt man ohnehin erst hinterher. Auch der Aspekt Zufall redet immer ein Wörtchen mit.


Ein gutes Gefühl entsteht dadurch, dass man die richtige Frage gestellt hat. Dass man ehrlich hingeschaut hat, auch da, wo es unbequem wurde. Und dass man den Weg, den man genommen hat, im Nachhinein noch erklären kann – auch dann, wenn es anders gelaufen ist als erhofft.


Das ist der Unterschied zwischen einer Entscheidung, die man aus Überzeugung trifft, und einer, die man hinterher nur noch rechtfertigt.

Heinz Malessa

Autor des Projektes eintscheidungsreif.

Arbeitsweise Entscheidungsberatung
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